Von Lippenbekenntnissen und echtem Service

Arne Jenn, Inhaber von Arne Jenn Finanzkonzepte GmbH & Co. KG aus Köln, äußert sich im Interview mit der BFV zu aktuellen Entwicklungen und spricht über seine Wünsche in der künftigen Zusammenarbeit mit Versicherungsgesellschaften.

© Arne Jenn

Hallo Herr Jenn, schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um mit uns einmal eine Art Bestandsaufnahme hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Vermittlern durchzuführen. Aktuell bestimmen Pandemie, Krieg und Inflation die Nachrichten. Wie gehen Sie als Vermittler mit den derzeitigen Herausforderungen um?

Wir haben unser digitales Angebot erweitert. Termine fanden in der Pandemie anfangs nur telefonisch oder per Videoberatung statt, was aber erstaunlich gut geklappt hat. Durch die Kriegsereignisse haben wir noch stärker festgestellt, dass man berufliche Dinge nicht aufschieben und versuchen sollte, sie sehr zeitnah umzusetzen. Bei der Beratung zu Kapitalanlagen versuchen wir unsere Kunden noch mehr als bisher auf renditestärkere Produkte zu sensibilisieren, um zumindest einen Inflationsausgleich zu erzielen.

Wie hat aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit zwischen Vermittlern und Versicherern in den erschwerten Pandemie-Zeiten funktioniert?

Das war sehr unterschiedlich. Bei manchen Versicherern hat das immer erstaunlich gut und zuverlässig funktioniert — die Bearbeitungszeiten waren sehr ähnlich wie vorher. Bei vielen Gesellschaften war das Thema Erreichbarkeit und Bearbeitungsdauer mehr als grenzwertig. Dies hat bei uns zu einer noch stärkeren Fokussierung auf Hauptpartner geführt.

Egal in welche Branchen man derzeit schaut: Digitalisierung, Transformation und Nachhaltigkeit sind omnipräsent. Welche Rolle spielen diese Entwicklungen für Sie?

Das Wort Nachhaltigkeit wird leider immer häufiger zu einer Werbebotschaft ohne echten Kern „missbraucht“. Dabei ist das Thema wirklich wichtig. Es gibt aber zum Glück auch wirkliche Innovationen, die das Wort Nachhaltigkeit auch verdienen. Hier gilt für mich: „Lieber machen als nur darüber reden“.

Wie sind die Versicherer, durch die Vermittlerbrille betrachtet, hierbei aufgestellt?

Sehr unterschiedlich. Es gibt immer noch Gesellschaften, die uns die gesamte Post noch auf dem klassischen Zustellweg senden und unerträglich viel Papier versenden, was unserseits noch gescannt und dann geschreddert werden muss. Welche Zeit- und Ressourcenverschwendung! Leider sind auch einige Gesellschaften dabei, die ich von ihrer Produktqualität grundsätzlich schätze. Sollten sie aber hier nicht fortschrittlicher werden, würden wir uns nach Alternativen umschauen. Aber selbstverständlich gibt es auch hier bei einigen Unternehmen tolle Ideen und Umsetzungen zum Beispiel ein „Papierlos“-Nachlass.

Worin erhoffen Sie sich noch mehr Support und Angebote?

Die immer weitergehende Umsetzung der BiPRO-Schnittstellen und die nahezu papierlose Kommunikation muss weitergehen. Auch dass Gesellschaften Maklerverwaltungsprogramme zur Verfügung stellen, damit digital gearbeitet werden kann, zeigt, dass einige Versicherer hier vorbildlich denken. Die Erleichterung der Zusammenarbeit und der täglichen Arbeit im Maklerbüro ist aus meiner Sicht viel wichtiger als der letzte Prozentpunkt Courtage. Hier ist aus meiner Sicht beispielsweise die VEMA ein sehr positives Beispiel.

Inwiefern legen Ihre Kunden Wert auf Nachhaltigkeit?

Ich bin hierauf in den letzten 30 Jahren beruflich fast nie angesprochen worden. Es sei denn, ich habe es zum Thema gemacht. Es ist zwar gerade in aller Munde, aber oft sind es leider auch nur Lippenbekenntnisse…

Die digitale Transformation bietet bereits zahlreiche Möglichkeiten, Prozesse zu beschleunigen und zu automatisieren. Was läuft denn bereits in Sachen Antragsbearbeitung, Policierung, Änderungsmitteilung und Schadenbearbeitung im Workflow mit Versicherungen gut und was nicht?

Die Gesellschaften sind hier sehr unterschiedlich aufgestellt. Leider sind auch rechtliche Dinge oft nicht vollständig geklärt wie zum Beispiel die digitale Unterschrift, so dass einzelne Versicherer hier noch zurückhaltend sind. Auch bei der digitalen Post und der künstlichen Intelligenz tut sich gerade viel. Das wird es zukünftig noch leichter machen.

Innerhalb des Services sollten Versicherer welche Faktoren aus Ihrer Sicht noch mehr berücksichtigen?

Bessere Erreichbarkeit, schnelle Bearbeitung durch mehr qualifiziertes Personal wäre zumindest aus meiner Sicht sehr wünschenswert. Immer längere Wartezeiten in Warteschlangen am Telefon durch massiven Personalabbau sind extrem ärgerlich. Es kostet sehr viel unnötige Zeit und ist sehr nervend.

Wie beurteilen Sie die Kommunikationskultur der Versicherungsbranche gegenüber ihren Geschäftspartnern? Fühlen Sie sich gut informiert?

Leider nicht immer. Auch hier werden immer mehr direkte Ansprechpartner und Maklerbetreuer abgebaut. Nur noch digitale Rundschreiben gehen in der Masse der täglichen E-Mail-Flut häufiger unter. Der persönliche Kontakt darf nicht ganz verloren gehen. Das sollten Gesellschaften nicht unterschätzen.

Wie werden Versicherer mit dem Versicherungsmakler der Zukunft eine effiziente und nützliche Zusammenarbeit gemeinsam erreichen können und sie in ihren Belangen unterstützen?

Das zur Verfügung stellen von allen digitalen Möglichkeiten in Zusammenhang mit konkreten Ansprechpartnern bei fachlichen Fragen und auch bei der Schadenbearbeitung wäre aus meiner Sicht der Königsweg. Aber auch die Unterstützung im Bestandsgeschäft zur Haftungsreduzierung durch Kampagnen wäre sehr hilfreich, etwa alle Gebäudeversicherungen ohne Elementarschutz o.ä. anzuzeigen und uns leichte, unkomplizierte Umstellungsangebote zur Verfügung zu stellen.

Das Interview führte Daniel Ruths im Auftrag der BFV.

myLife wird Teil der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler

Düsseldorf, 17.05.2022

Die myLife Lebensversicherung AG wird Mitglied bei der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV). Beide Häuser haben eine entsprechende Vereinbarung getroffen und wollen ihr Engagement für die Interessen der Maklerschaft in Deutschland weiter ausbauen.

Jens Arndt, Vorstandsvorsitzender der myLife, freut sich auf die zukünftige Zusammenarbeit und betont: „Versicherungsmakler leisten einen großen sozialen Beitrag, indem sie Verbraucher unabhängig und mit einer breiten Produktauswahl hinsichtlich ihrer Altersvorsorge und ihres Versicherungsschutzes beraten. Als Nettoversicherer mit innovativen Vorsorge- und Investmentkonzepten ist es für uns eine Herzensangelegenheit, die Berater nun auch über die BFV zu fördern, weil sich hier ihre Interessen vereinen und sie mit der BFV eine noch stärkere Stimme erhalten.“

BFV-Koordinator Erwin Hausen fügt hinzu: „Wir freuen uns sehr über die Entscheidung des Nettoversicherers myLife, sich gemeinsam mit der BFV für den Erhalt und die Stärkung der qualifizierten und unabhängigen Versicherungsmakler zu engagieren.“

Informationen zur myLife Lebensversicherung AG

Die myLife Lebensversicherung AG bietet als deutsches Lebensversicherungsunternehmen ausschließlich Vorsorgelösungen an, bei denen Kunden und Finanzberater die Vergütung für die Beratungs- und Vermittlungsleistung unabhängig, individuell und direkt vereinbaren können. Geringe Produkt- und Verwaltungskosten sorgen zusätzlich dafür, dass mehr Geld für die Altersvorsorge und den Versicherungsschutz übrig bleibt. Maximale Transparenz und innovative Gestaltungsmöglichkeiten beim Abschluss sowie unzählige Anpassungsmöglichkeiten während der Laufzeit schaffen darüber hinaus größtmöglichen Freiraum für die persönliche Vorsorge und Absicherung. Die myLife und ihre Vorsorgelösungen werden regelmäßig von führenden Ratingagenturen ausgezeichnet.

Markel Insurance engagiert sich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler

Düsseldorf, 10.05.2022

Seit über 90 Jahren ist Markel als globaler Spezialversicherer mit dem Fokus gewerbliche Haftpflicht tätig. Die Markel Insurance SE ist seit Oktober 2018 ein deutscher Versicherer mit Hauptsitz in München und seit 2012 auf dem deutschen Markt tätig. Sitz der Muttergesellschaft Markel Corporation ist Richmond – Virginia.

„Als Spezialversicherer helfen wir Maklern, ihre Geschäftskunden bestmöglich abzusichern. Wir glauben an Zielgruppenkonzepte, denn mit unseren gewerblichen Haftpflichtlösungen versichern wir Freelancer sowie kleine und mittlere Unternehmen optimal und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten“, weist Markel auf seine Stärken hin.

„Wir konzentrieren uns als Spezialversicherer auf die gewerbliche Haftpflicht und verstehen Ihre Risiken deshalb genau. Als innovatives, dynamisches Team mit viel Unternehmergeist wollen wir mit Ihnen gemeinsam Erfolg haben. Unsere Produkte sind marktführend und umfassend. Ob Sie Vorreiter in Ihrer Branche oder auch alter Hase sind – mit unserem Versicherungsschutz halten wir Ihnen den Rücken frei“, so der Vorstandsvorsitzende Frederik Wulff.

„Wir begrüßen den Entschluss von Markel, im Sinne der Versicherungsmakler und maklerorientierten Versicherer bei der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler mitzuwirken und diese zu unterstützen“, ergänzt BFV-Koordinator Erwin Hausen.

Informationen zu Markel

Die Muttergesellschaft Markel Corporation ist mit 70 Büros in 16 Ländern tätig. Mit 18.900 Mitarbeitern weltweit – darunter 4.600 in Insurance und 55 Mitarbeitern in München – wurden 2020 mehr als 9,3 Mrd. USD Bruttoprämien erwirtschaftet. Weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie unter www.markel.de.

Neues Lobbyregister von Bundestag und Bundesregierung: BFV ist als Interessenvertreterin registriert

Die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV) hat sich offiziell in das neue ‚Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung‘ eingetragen. Damit darf sie als ‚Registrierte Interessenvertreterin‘ weiterhin an öffentlichen Anhörungen im Deutschen Bundestag teilnehmen und sich an den Entwürfen für Gesetzesvorlagen beteiligen.

„Die BFV setzt sich für die Interessen der Versicherungsmakler und Verbraucher ein. Das ist jetzt auch im Lobbyregister hinterlegt und für jedermann einsehbar“, sagt BFV-Koordinator Erwin Hausen. „Die Bundesarbeitsgemeinschaft begrüßt die Transparenz, die das Lobbyregister bringt. Erfreulich ist auch der unkomplizierte Zugang zu den Informationen über die gelisteten Interessenvertretungen.“

Bereits seit dem 19. Februar 2022 wird die BFV unter der Nummer R000688 im Lobbyregister geführt. Sie gehört damit zu den ersten Interessenvertretungen aus dem Bereich Versicherungen, die sich in dem neuen, elektronisch geführten Register ausweisen.

Das ‚Lobbyregistergesetz für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und gegenüber der Bundesregierung‘ (LobbyRG) ist zum 01. Januar 2022 in Kraft getreten. Seitdem müssen sich alle Interessenvertreter in das neue Lobbyregister eintragen, die „Kontakt zu Mitgliedern des Bundestages oder der Bundesregierung aufnehmen, um unmittelbar oder mittelbar Einfluss auf deren Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse zu nehmen, oder dies in Auftrag geben“. Wer sich einträgt, akzeptiert außerdem einen Verhaltenskodex, der dazu verpflichtet, auf Basis von Offenheit, Transparenz, Ehrlichkeit und Integrität tätig zu sein.

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Statements zur Versicherungs-Regulierung von Frank Schäffler, MdB FDP

Frank Schäffler (FDP), MdB, Mitglied im Haushaltsausschuss und im Ausschuss für Digitales des Deutschen Bundestages:

++ „In den Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen mussten dicke Bretter gebohrt werden. Umso mehr freuen wir uns als FDP darüber, richtige und wichtige Akzente für die Versicherungs- und Kapitalmarktbranche und deren Kunden im Koalitionsvertrag gesetzt zu haben.

So haben wir beispielsweise eine Honorarverpflichtung bzw. ein Provisionsverbot in der Anlageberatung verhindert. Eine solch tiefgreifende Neuregelung für Beratungsdienstleistungen hätte die Vielfalt im Markt vernichtet und das Angebot für die Kunden geschmälert. Am Ende hätten wir englische Verhältnisse erlebt, die die Beratung in Finanzprodukten nur für eine kleine Gruppe erhalten hätte.

Ebenso ist ein Provisionsdeckel-Gesetz für Lebensversicherungsprodukte vom Tisch – ein Vorhaben, das noch bis vor wenigen Monaten intensiv im Finanzministerium und darüber hinaus diskutiert wurde. Dies lag uns auch deshalb am Herzen, weil wir die mittelständische Unternehmensstruktur der Vermittlungs- und Anlagebranche unbedingt erhalten wollen.

Provisionsdeckelungen hätten vor allem den Markteintritt junger Vermittler bzw. Berater unnötig erschwert, aber auch den Erhalt der differenzierten Angebotsstruktur des Marktes verhindert.

++ Wichtig für den Verbraucherschutz, aber auch für die mittelständische Struktur der Finanzanlagebranche war es, die bewährte Struktur der Aufsicht bei den IHKen und den Gewerbeämtern zu erhalten. Wie Sie wissen, wollte die alte Regierung die Finanzanlagevermittler unter die BaFin-Aufsicht stellen.

Dafür sollten rund 300 neue Mitarbeiter bei der BaFin eingestellt werden, um die zum Teil kleinteilige Struktur der Finanzanlagevermittler zu beaufsichtigen. Wir haben diesen Ansatz von Anfang an bekämpft, da die BaFin nach dem Wirecard-Skandal wahrlich andere Aufgaben zu bewältigen hat, und dies zu einer staatlich oktryierten Marktbereinigung geführt hätte.

++ Auf der anderen Seite erachten wir eine zeitliche Entkoppelung des Abschlusses eines Kreditvertrags und des Abschlusses einer Restschuldversicherung von mindestens einer Woche als durchaus sinnvoll. Eine solche Cooling-Down-Phase soll insbesondere Verbraucher vor überteuerten Policen und vor etwaigen Informationsasymmetrien im Markt schützen.

++ In den nächsten Monaten und Jahren werden wir alles daran setzen, auch weiterhin etwaigen Regulierungsfantasien hinsichtlich der Beratungs- und Provisionssysteme einen Riegel vorzuschieben und gleichzeitig die private und betriebliche Altersvorsorge zu reformieren. Die anhaltende Null- und Niedrigzinsphase setzt die Altersvorsorge enorm unter Druck. Daher braucht es mehr Flexibilität in der Anlagepolitik, mehr Möglichkeiten in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien zu investieren und mehr Anreize sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern.“

Statements zur Versicherungs-Regulierung von Katharina Beck, MdB Bündnis90/Die Grünen

Katharina Beck, MdB, Finanzpolitische Sprecherin Bündnis90/Die Grünen:

++ „Als neue finanzpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion werde ich für eine zukunftsfähige Finanzpolitik einstehen. Besonders wichtig sind mir die Themen ‚Sustainable Finance‘, Integration von CO2 in die Bilanzen, Corona-Hilfen und bessere Steuerpolitik. Ich möchte die Dynamik der Finanzmärkte und das Bankwesen nutzen, um den Weg in die Zukunft des Wirtschaftens positiv zu gestalten.

Deutschland soll zum führenden ,Sustainable Finance‘ Standort werden. Transparenz und Vergleichbarkeit sind essentielle Grundlagen für nachhaltige Investitionsentscheidungen. Eine verlässliche Klassifizierung und Kommunikation von Nachhaltigkeit ist wichtig. Daher werde ich mich für eine gute Umsetzung der EU-Taxonomie und der ,Corporate Sustainability Reporting Directive‘ (CSRD) einsetzen.

++ Wichtig ist mir ein pragmatischer Ansatz, der sowohl effektiv für die sozialökologische Transformation als auch einfach ist. Beispielsweise dürfen Atom und Gas in der Taxonomie nicht als gleichermaßen nachhaltig gelten wie Erneuerbare Energien. Bei der begrüßenswerten Ausweitung der Nachhaltigkeitsberichterstattung auch für kleinere nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen setze ich mich auch für die einfache Umsetzbarkeit ein.

++ Ein Lieblingsprojekt, das ich vorantreiben werde, ist die Integration von CO2 in das Herzstück der Unternehmen, die Bilanzen. Auf Basis meiner 14 Jahre Praxiserfahrung kann ich sagen: Das ist eine der besten politischen Innovationen des Koalitionsvertrags. So eichen wir die Mechaniken unseres Wirtschaftens auf Zukunft. Klimaschutz wird sich endlich unternehmerisch lohnen, und zwar fair für alle Unternehmen.

Weitere Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Corona-Hilfsprogramme und die Steuerpolitik. Steuern steuern; und somit werde ich mich weiter für eine Vereinfachung und einen höheren Grad an Gerechtigkeit im Steuersystem einsetzen. Bei allen Themen ist es mir vom Stil her ein Anliegen, im Dialog mit den relevanten Akteuren auf Augenhöhe zusammen zu arbeiten.“

Statement zur Versicherungs-Regulierung von Dr. Carsten Brodesser, MdB CDU

Dr. Carsten Brodesser (CDU), MdB, Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages:

++ „Die drei Regierungspartner traten im Wahlkampf mit sehr unterschiedlichen Konzepten in Bezug auf die Altersvorsorge und die Versicherungsthemen an. Entgegen zwischenzeitlicher Aussagen stellt der nunmehr geschlossene Koalitionsvertrag einen Minimalkonsens dar, auf den man sich einigen konnte, der aber zahlreiche Konfliktfelder bereithält. Bei der gesetzlichen Rente liegen die Probleme durch den demographischen Wandel seit Jahren auf der Hand.

Die von der letzten Regierung eingesetzte Rentenkommission hatte eine Reihe von Vorschlägen gemacht, um das Rentenniveau und den Beitragssatz langfristig zu stabilisieren. Ergänzend ist nun eine teilweise Kapitaldeckung vorgesehen, die wir als Union grundsätzlich begrüßen. Die Ampel will hierzu einen global am Kapitalmarkt anlegenden öffentlich-rechtlichen Fonds einrichten. Diese vage Formulierung lässt viel Raum für unterschiedliche Varianten. Als CDU/CSU hatten wir das Modell einer Aktienrente vorgeschlagen, als ‚Starthilfe‘ für die nächste Generation. Finanziert bis zum 18. Lebensjahr durch den Staat. Andere Ansätze sind ebenfalls in der Diskussion.

++ Die in der großen Koalition vereinbarte Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge wurde leider aufgrund der Verweigerungshaltung des damaligen Finanzministers Scholz verhindert. Reformvorschläge aus der Branche und der CDU/CSU gab es zuhauf. So hätten z. B. eine optionale Absenkung der Beitragsgarantie, die Entbürokratisierung der Zulagenbeantragung und die Erweiterung des Förderberechtigtenkreises die private Altersvorsorge gestärkt.

Stattdessen wurde die Riesterrente aus ideologischen Gründen an die Wand gefahren. Der Bestand von über 16 Millionen Verträgen soll zwar gesichert bleiben, aber ohne Reformen macht sich die Ampelkoalition hier der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge – gerade für Geringverdiener – begrüßen wir grundsätzlich. Ein ‚öffentlich verantworteter Fonds‘ darf dabei jedoch weder die Chancen von privaten Vorsorgeproduktanbietern ausbremsen noch zum Schattenhaushalt für Investitionsvorhaben der Regierung werden.

++ Das von Teilen der Ampel vorgesehene Verbot einer provisionsgestützten Beratung ist zwar zunächst vom Tisch, die Erfahrungen aus der letzten Legislaturperiode lassen jedoch befürchten, dass perspektivisch gerade SPD und Grüne eine ausschließliche Honorarberatung festschreiben wollen. Diese würde für weite Teile der Verbraucher eine qualifizierte Beratung in Fragen der Alterssicherung, Vorsorge und Kapitalbildung erschweren.

Gleichzeitig bestehen bereits jetzt umfangreiche Dokumentationspflichten, deren Kerngedanke des Verbraucherschutzes zwar richtig, aber deren praktische Umsetzung zu überbordender Bürokratie bei geringem Mehrwert führt. In der CDU/CSU-Fraktion werden wir uns weiter für verbraucherfreundliche und lebensnahe Regelungen einsetzen. Insofern lehnen wir auch die geplante Einführung einer ‚Cooling-Off-Period‘ von einer Woche zwischen dem Abschluss eines Darlehensvertrags und der Restschuldkreditversicherung ab.“

Statement zur Versicherungs-Regulierung von Michael Schrodi, MdB SPD

Michael Schrodi, MdB, Finanzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion:

++ „Mit der Koalition von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP wollen wir Deutschland gemeinsam nach vorne bringen. Wir bilden ein Bündnis für Fortschritt, Zusammenhalt und Vielfalt. Das spiegelt sich in den einzelnen Kapiteln unseres Koalitionsvertrags wider. Für Versicherer und Versicherungsvermittler sind insbesondere die folgenden Maßnahmen relevant: Wir wollen die BaFin-Reform vorantreiben und dabei den Verbraucherbeirat stärken.

Bei Restschuldversicherungen wollen wir den Abschluss des Versicherungsvertrags und des Kreditvertrags zeitlich entkoppeln. Bei der Überprüfung von Solvency II werden wir darauf achten, dass der europäische Versicherungsmarkt gestärkt und die Stabilität der Versicherungen noch besser gewährleistet wird, unter anderem indem Klimarisiken angemessen berücksichtigt werden. Auch für kleine Versicherungsunternehmen und Pensionskassen wollen wir für eine stärker proportionale Regulierung sorgen.

++ Die private Altersvorsorge wollen wir grundlegend reformieren und dazu das Angebot eines öffentlich verantworteten Fonds mit einem effektiven und kostengünstigen Angebot mit Abwahlmöglichkeit prüfen. Daneben wollen wir die gesetzliche Anerkennung privater Anlageprodukte mit höheren Renditen als Riester prüfen. Mit einer Förderung wollen wir Anreize für untere Einkommensgruppen schaffen, diese Produkte in Anspruch zu nehmen. Für laufende Riester-Verträge soll ein Bestandsschutz gelten. Den Sparerpauschbetrag wollen wir auf 1.000 Euro erhöhen.

++ Insgesamt haben wir uns ein ambitioniertes Programm gegeben, das wir in den kommenden Jahren konzentriert umsetzen wollen. Natürlich werden wir dabei die Entwicklungen auf dem Finanzmarkt immer im Blick behalten und gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern nachsteuern, wo das nötig wird. Ich bin zuversichtlich, dass wir in dieser Koalition gute Fortschritte erzielen werden, die sowohl im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher als auch der ehrlichen und fairen Versicherungsvermittler sind.“

Statement zur Versicherungs-Regulierung von Stefan Schmidt, MdB Bündnis90/Die Grünen

Stefan Schmidt (Bündnis90/Die Grünen), MdB, Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages:

++ „Der Ampelvertrag steht und mit ihm auch das Versprechen, dass die neue Koalition beides sein wird: Oberste Verbraucherschützerin und verlässliche Partnerin der Branche. Mit der Unterzeichnung des Vertragswerkes hat eine gute Stunde für Verbraucherinnen und Verbraucher geschlagen:

Die zeitliche Entkopplung von Restschuldversicherungen vom Abschluss des Kreditvertrages um mindestens eine Woche, die Begrenzung der Kosten für Vorfälligkeitsentschädigungen und die Sicherstellung eines fairen Zugangs zu Basiskonten sind ebenso substantielle Verbesserungen wie der geplante Ausbau der Schuldner- und Insolvenzberatung. Auch auf institutioneller Ebene stärken wir den finanziellen Verbraucherschutz, indem wir die Finanzmittel für die Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest erhöhen oder die behördliche Aufsicht für Inkassounternehmen bündeln.

Wesentlich ist auch die Weiterführung der BaFin-Reform, insbesondere die bessere Prüfung der Vermögensanlageprospekte, um Anlegerinnen und Anleger effektiv vor unklaren Risiken zu schützen. Die Ergebnisse der ersten Pilottestkaufstudie der BaFin stimmen bedenklich. Diese kommt zum Schluss, dass ein Drittel der Bankkunden noch immer eine mangelhafte Beratung erfährt und zeigt damit: Mit dem bloßen Abschluss des Koalitionsvertrages ist es noch nicht getan, für die Ampel bleibt viel zu tun.

++ Neben Verbraucherinnen und Verbrauchern wird auch die Branche profitieren: Bessere Bedingungen für langfristige Investitionen und maßgeschneiderte Regelungen für kleinere Versicherer stärken den Versicherungsmarkt. Hierbei und bei der Überprüfung von Solvency II verfolgen wir einen strikt risiko- und evidenzbasierten Ansatz.

Die Ampel wird Regulierungslücken im Grauen Kapitalmarkt auf den Grund gehen und einen stringenteren Kampf gegen Geldwäsche über die verschiedenen staatlichen Ebenen hinweg anstrengen – so schaffen wir ein level playing field für alle Marktteilnehmer. Auch die private Altersvorsorge als dritte Säule der Altersvorsorge wird grundlegend reformiert.

Dafür prüfen wir nicht nur einen öffentlich verwalteten Fonds mit Abwahlmöglichkeit, sondern auch die gesetzliche Anerkennung privater Anlageprodukte mit höheren Renditen als Riester. Trotz der geplanten Reform ist klar: Bereits bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten.

++ Auch wenn wir Grüne mehr gewollt haben – etwa einen schrittweisen Übergang von der Provisions- zur Honorarberatung – sind wir zuversichtlich und werden vier Jahre Regierungszeit für eine umfassende Grüne Welle beim Verbraucherschutz nutzen.“

Statement zur Versicherungs-Regulierung von Dr. Florian Toncar, MdB FDP

Dr. Florian Toncar (FDP), MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen: ++

„Bundesfinanzminister Christian Lindner hat versprochen, sein Haus als ‚Ermöglichungsministerium‘ zu führen. Diesen Ball nehme ich als Parlamentarischer Staatssekretär gerne auf, wenn ich an die Regulierung von Versicherern und Versicherungsvermittlern in den nächsten vier Jahren denke: Wir wollen es ermöglichen, dass die Versicherungsbranche auf die kommenden Herausforderungen gut vorbereitet ist und ihre Kunden zufrieden stellen kann.

Dabei geht es nicht pauschal um weniger oder mehr Regulierung – sondern um bessere Regulierung. Das war immer mein Credo. Dementsprechend bin ich sehr froh, dass im Koalitionsvertrag eine Evaluierung der bestehenden Finanzregulierung im Hinblick auf Proportionalität, Finanzstabilität, Verbraucherschutz und Bürokratie verankert ist. Ich finde, das ist ein längst überfälliges Vorhaben gewesen, und die Bundesregierung wird das schnell umsetzen.

++ Zwei der größten und wichtigsten Vorhaben dieser Bundesregierung, die Einführung einer teilweise kapitalgedeckten Altersvorsorge, und der Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen, treffen die Versicherungsbranche. Ich freue mich, dass die Branche hier beispielsweise mit dem Konzept des GDV zur Förderung der Elementarschadenversicherungen einen eigenen Vorschlag eingebracht hat.

Bei Dekarbonisierung und Digitalisierung insgesamt können die Versicherer als große Kapitalgeber mit Interesse an einem nachhaltigen Geschäftsmodell mitwirken. Diese Bemühungen wird die Bundesregierung flankieren, zum Beispiel indem wir bei der Überprüfung von Solvency II Klimarisiken realistisch abbilden, um Kapitalanforderungen angemessen formulieren zu können.

++ Die Bundesregierung hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, gerade auch für die Versicherungswirtschaft. In den kommenden vier Jahren wird es eine Herausforderung werden, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen, und dabei Digitalisierung, Klimaschutz und Finanzstabilität unter einen Hut zu bringen – eine Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.“